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Pflegender Hochbauzeichner

Oder: Warum die erste Ausbildung definitiv nicht die letzte ist. Langzeit- oder Kurzzeitgymnasium, Lehre, Lehre mit Berufsmaturität, etc. Wer heute einen dieser Wege einschlägt, folgt nicht mehr gezwungenermassen einem genau vorgezeichnetem Weg. Die zunehmende Durchlässigkeit zwischen den verschiedenen Ausbildungsstufen lässt es zu herauszufinden, was man selbst möchte.

Gerade diese Durchlässigkeit hat es mir ermöglicht, meine jetzige Tätigkeit auszuüben. Oder denken Sie, dass ich mir zu Beginn meiner Lehre als Hochbauzeichner (neu: Zeichner EFZ Architektur), so leicht hätte vorstellen können, eines Tages als Fachexperte Pflege in einer Psychiatrischen Klinik tätig zu sein?

Ade Kindertraumberuf

Zu Beginn der 6. Klasse oder auch etwas vorher wussten fast alle in meinem Jahrgang, was sie einmal werden wollten. Auch ich wusste es, zumindest eine Zeit lang. Doch mit zunehmendem Wissen über die Möglichkeiten und mit der Verschiebung der eigenen Interessen schwand genau diese Sicherheit. Hierbei gab gerade die Berufsberatung, die sich nach den aktuellen Interessen richtete, etwas Orientierung. Bei mir waren diese Interessen das Zeichnen, das Flair für Zahlen und exaktes Arbeiten.

Doch auch die Weitentwicklung der eigenen Bedürfnisse, Wünsche und Fähigkeiten macht nie Halt. Zum Glück nicht, muss ich sagen. Mit meinem Engagement beim Jugendrotkreuz des Kantons Zürich wurde zum Beispiel mein zunehmendes Interesse an der Arbeit mit Menschen gefördert. Das eröffnete mir eine Alternative, bei der weniger ein Produkt im Zentrum stand und sondern der Mensch. So bin ich dann auch schlussendlich im Pflegeberuf gelandet.

Beitrag in der Andelfinger Zeitung vom 10. Juni 2016
Beitrag in der Andelfinger Zeitung vom 10. Juni 2016

Laufende Weiterentwicklung

Wie so Vieles im Leben entwickelt sich auch der Pflegeberuf laufend weiter. Nach knapp zwei Jahren als dipl. Pflegefachmann wuchs in mir das Bedürfnis nach neuen Weiterbildungs- und Vertiefungsmöglichkeiten. Gerade die Fachhochschule bzw. das Studium der Pflege (berufsbegleitend, verkürzt) erschien mir dazu die passende Lösung zu sein. Es öffnete mir ein vertieftes Wissen in verschiedenen Bereichen, weitere Kontakte zu anderen Berufsleuten sowie neue Möglichkeiten am Arbeitsplatz. Gerade zum Beispiel die Funktion als Fachexperte Pflege ist daraus gewachsen.

Heute bin ich angekommen. Zwar nicht am Ende, aber irgendwo dazwischen. Von meiner ursprünglichen Ausbildung ist nur noch wenig zu spüren. Heute bin ich voll und ganz Pflegefachmann. Ein Pflegefachmann, der zu Beginn eine Lehre zum Hochbauzeichner, die Höhere Fachschule Pflege und danach die Fachhochschule Pflege gemacht hat. Ob ich mit einem Uni-Abschluss meine bisherige Ausbildung noch ergänze? Vielleicht. Nicht unbedingt, weil ich muss, sondern weil ich es will.

Im Auftrag des Berufbildungsforums Andelfingen (BBFA) / ProWeinland schrieb Florian Lüthi diesen Beitrag. Am 10. Juni 2016 in der Andelfinger Zeitung erschienen.

 

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